Inneres Kind

Arbeiten mit dem Inneren Kind

I. Warum ist die Arbeit mit dem Inneren Kind so wichtig?

Das Innere Kind ist ein Teil von uns, in uns. Wenn wir als Kind ohne Verletzungen heranwachsen, erleben wir auch als Erwachsene Lebensfreude, Leichtigkeit, Urvertrauen und dergleichen.

Wenn wir in unserer Kindheit jedoch Verletzungen erfahren, spaltet sich „das Kind in uns“ in diesem Stadium ab. Dadurch, dass wir in unserer Kindheit mehr als eine Verletzung erfahren haben, befinden sich sozusagen ganz viele verkümmerte bzw. zurückgebliebene Kinder in uns. Mit diesen zurückgebliebenen Kindern bleibt auch jeweils ein Teil der Lebensfreude, Leichtigkeit, des Urvertrauens und vieles mehr zurück oder wir können diese Seinsweisen nicht entwickeln. Dadurch, dass wir diese Eigenschaften in unserem Leben nicht mehr zur Verfügung haben, können wir unsere Individualität nicht mehr in dem Maße leben, wie es für uns angebracht wäre.

Wenn wir jetzt an unserem verletzten Inneren Kind arbeiten, können wir es wieder integrieren und unser Leben wieder mit Leichtigkeit leben.

II. Wodurch wurde das Innere Kind verletzt?

Bereits in der Schwangerschaft bekommt das Kind die Gefühle und den Umgang der Eltern mit. Das prägt sein Verhalten gegenüber sich selbst und gegenüber dem Männlichen (Vater) und dem Weiblichen (Mutter) in sich selbst.

Bei der Geburt geht die Prägung weiter. Wird das Kind beispielsweise direkt von den Eltern getrennt, kann es kein Urvertrauen entwickeln. Damit das Kind seine Liebe und seine Bedürfnisse erkennt, sind in den ersten sechs Jahren die Verbundenheit zu Mutter und Vater und deren Liebe sehr wichtig.

In dieser und der darauffolgenden Zeit hat der Umgang der Eltern mit ihrem Kind einen großen Einfluss darauf, wie das Kind bzw. später der Erwachsene durch das Leben geht. Wird das Kind z. B. kritisiert oder unterdrückt, wird es kein oder nur sehr schwer Selbstbewusstsein entwickeln. John Bradshaw sagt in einem seiner Bücher zu diesem Thema, dass jeder Erwachsene etwa 25.000 Stunden „Elterntonbänder“ in sich gespeichert habe.

Zusätzlich kommen zu den Verletzungen die eigenen Abwertungen und Schuldzuweisungen des Kindes an die eigene Adresse, ausgelöst durch das Verhalten seiner Eltern und der Gesellschaft. Gleichzeitig verurteilt das Kind das Verhalten seiner Eltern. Die Verletzungen des Inneren Kindes werden dadurch noch verstärkt und wir fügen uns heute neue Verletzungen zu, indem wir unsere Entscheidungen in der Kindheit ablehnen und bewerten.

Es gilt zu verstehen, dass wir aus dem damaligen Bewusstsein heraus gehandelt, also unser Bestes gegeben haben. Wenn wir das anerkennen, nehmen wir unser Inneres Kind an und haben damit den ersten Schritt der Heilung vollzogen.

Ein weiteres Entstehen von Verletzungen können die Erfahrungen bei Krankheiten, Krankenhausaufenthalten, beim Umgang in der Schule, bei Freizeitveranstaltungen oder Urlaubsreisen auslösen.

All diese Erfahrungen tragen wir in uns. Wir agieren und wirken auf der Grundlage dieses Wissens und dieser Verletzungen, die im Unterbewusstsein gespeichert sind. Es gibt fast keine Entscheidungen in unserem Leben, die wir frei subjektiv treffen. Wir agieren immer auf der Grundlage der Erfahrungen und Verletzungen, die in unserem Unterbewusstsein wirken. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Alter wir uns befinden. Das Innere Kind in uns ist immer noch wie damals.

III. Bei welchen Verletzungen braucht das Innere Kind eine Heilung?

Folgende Merkmale weisen auf Verletzungen in der Kindheit hin.

• Mangelndes Urvertrauen

• Minderwertigkeitsgefühle

• Höhenangst

• Wenig soziale Kontakte

• Verlustängste

• Übergewicht, Magersucht

• Partnerschaftskonflikte

• Opferverhalten (Mobbing, Demütigungen)

• Mangelnde Wertschätzung sich und anderen gegenüber

• Lebensauffassung „Leben und Arbeit sind schwer“

• Autoritätsprobleme

Hier lässt sich zweifellos noch mehr finden.

IV. Wie kann das Innere Kind geheilt werden?

Einige der oben aufgezeigten Punkte können wir selbst an uns und unserem Inneren Kind heilen, während andere der oben aufgeführten Punkte oft nur mit professioneller Hilfe sichtbar gemacht werden können.

Durch meine langjährige Arbeit als Familiensteller weiß ich, wie wichtig das Sichtbarmachen der Situation in unserer Kindheit ist, damit wir erkennen, wie und wodurch die Verletzungen entstanden sind. Infolge lernen wir, die Situation aus einer anderen Sicht zu betrachten und sie zu vergeben.

Das systemische Stellen ist eine erfolgreiche Methode, die unterschiedlichsten Lebenssituationen und Verletzungen sichtbar und damit bewusst zu machen. Durch eine individuelle Gruppe, in der die Teilnehmer Personen und Energien widerspiegeln, kann von dem Aufsteller die Situation von außen betrachtet werden. Alleine durch die Bewusstwerdung entsteht eine Heilung. Durch das Annehmen dessen, was geschehen ist, können die Verantwortung dafür übernommen und den daran beteiligten Personen die Situationen vergeben werden.

Die bis jetzt im Unterbewusstsein versteckte Verletzung, die unser Leben bis dahin maßgeblich bestimmt hat, ist vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein gelangt und kann somit losgelassen werden. Das verletzte und abgespaltene Innere Kind kann nunmehr liebevoll in den Arm genommen werden und integriert werden. Dadurch stehen uns wieder mehr Lebensenergie und Lebensfreude zur Verfügung, sodass wir unser Leben endlich bewusster und leichter gestalten können.

Gedicht über das Kind

Ein Kind ist so fein,
vollkommen in seinem Sein,
in seiner Liebe ganz rein.
Die Eltern einst auch ganz klar,
nur ihre Wahrheit ist jetzt wahr,
ihr Denken nunmehr ganz starr,
und mit dem Herzen nicht wirklich da.
Das Kind wird dann verformt,
und für das Leben genormt.
Die Individualität zerstört,
die bedingungslose Liebe nicht mehr gehört.
Die eigenen Bedürfnisse werden fremd,
die Verletzung in uns immer mehr brennt.
Nun die Seele uns lenkt,
das Leben nun drängt,
die Liebe uns fängt.
So sind wir wieder so weit,
uns zu heilen jetzt bereit,
um wieder zu erkennen an der Zeit.
Ein Kind ist so fein,
vollkommen in seinem Sein,
in seiner Liebe ganz rein.

© Thomas Hurtz